Von der V2 zur Pershing II – und zurück zu neuer Raketenstationierung

Die hier dokumentierte Chronologie von 1945 bis 1991 und darüber hinaus zeichnet die erstaunliche und oft widersprüchliche Geschichte der Pershing-Raketen nach. Sie beginnt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, als die USA im Rahmen der Operation Overcast deutsche Raketenpioniere um Wernher von Braun rekrutierten. Aus deren Know-how und den Erfahrungen mit der V2 entstand in den 1950er Jahren unter dem Eindruck des Kalten Krieges das Pershing-Raketensystem – eine direkte technologische und personelle Linie, die von Peenemünde und dem KZ Mittelbau-Dora nach Huntsville, Alabama, und schließlich zurück nach Deutschland führte.

Die Timeline veranschaulicht, wie die Pershing über Jahrzehnte hinweg zu einem zentralen Symbol des NATO-Doppelbeschlusses und des Ringens um nukleare Abschreckung wurde. Sie zeigt die Stationierung der Pershing Ia ab 1964, den erbitterten Widerstand der Friedensbewegung in den 1980er Jahren gegen die Pershing II, aber auch die internen Pannen, Unfälle und die beständige geheimdienstliche Bedrohung. Der Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) von 1987 beendete diese Ära schließlich – doch die Geschichte endet nicht 1991.

Die jüngsten Einträge ab 2014 führen vor Augen, dass die Frage nach Mittelstreckenraketen in Europa wieder erschreckend aktuell ist. Mit der Aufkündigung des INF-Vertrags durch die USA und Russland 2019 und der angekündigten zeitweisen Stationierung neuer US-Systeme in Deutschland ab 2026 schließt sich ein historischer Kreis. Diese Timeline ist daher nicht nur ein Rückblick, sondern auch eine Grundlage, um die aktuellen Debatten zu verstehen.

Timeline

1945 - 1949

10. April 1945: Alliierter Bombenangriff auf Mittelbau-Dora; SS beginnt mit Todesmärschen der Häftlinge.

11. April 1945: US-Truppen befreien das KZ Mittelbau-Dora.

Mai 1945: US-Spezialeinheiten transportieren erbeutete V1- und V2-Raketen von Nordhausen nach Antwerpen und weiter in die USA.

12. September 1945: Wernher von Braun und sieben Kollegen werden nach Fort Bliss (Texas) gebracht.

20. Januar 1949: Erstflug des Matador-Flugkörpers auf der White Sands Missile Range in New Mexico.

20. August 1949: Erste sowjetische Atombombenexplosion.

4. April 1949: Gründung der NATO.

10. Oktober 1949: Die Standing Group legt ein erstes Ergebnis ihrer Überlegungen unter dem Titel »Das strategische Konzept zur Verteidigung des nordatlantischen Raumes« vor.

19. Oktober 1949: Das Dokument MC 3 wird mit Anmerkungen der Stabschefs der Mitgliederstaaten an den Militärausschuss weitergeleitet.

29. November 1949: Das Dokument DC 6 wird dem Verteidigungsausschuss vorgelegt.

1. Dezember 1949: Der Verteidigungsausschuss verabschiedet das erste grundlegende Strategiedokument der NATO unter dem Titel DC 6/1.

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1950 - 1955

1950: Arthur Rudolph wird ins Redstone Arsenal (Alabama) versetzt.

4. April 1950: Der Nationale Sicherheitsrat legt Präsident Truman das Memorandum NSC 68 vor.

25. Juni 1950: Ausbruch des Korea-Krieges.

20. Februar 1952: NATO-Ratstagung in Lissabon beschließt ehrgeizige Aufrüstungspläne.

20. Januar 1953: Dwight D. Eisenhower wird als 34. US-Präsident vereidigt. Beginn einer sicherheitspolitischen Neuausrichtung in den USA.

20. August 1953: Erster Testflug einer Redstone-Rakete.

30. Oktober 1953: Eisenhower billigt die militärstrategische Neuausrichtung.

Ende 1953: Die erste einsatzbereite US-Matador-Staffel wird in Bitburg stationiert.

1954: Revision der operativen Planungen des Alliierten Oberkommandos Europa (SHAPE); Modifikation des NATO-Konzepts MC 14/1 mit stärkerer Betonung der Nuklearwaffen.

12. Januar 1954: US-Außenminister John Foster Dulles hält programmatische Rede zur neuen Militärstrategie.

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1955 - 1956

1955: Chrysler erhält den Auftrag zur Serienproduktion der Redstone-Rakete.

14. April 1955: Wernher von Braun erhält die US-Staatsbürgerschaft.

23.-28. Juni 1955: NATO-Übung »Carte Blanche« simuliert 335 Atombombenabwürfe in Westeuropa, mit katastrophalen Folgen.

1. Februar 1956: Gründung der Army Ballistic Missile Agency (ABMA) im Redstone Arsenal in Huntsville, Alabama.

1956: Arthur Rudolph wird Projektmanager der Pershing-Rakete (MGM-31).

Oktober 1956: Der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Armee (DA) forderte das Ordnance Corps auf, eine Machbarkeitsstudie für eine ballistische Rakete mit einer erforderlichen Reichweite von 500 Seemeilen und einer Mindestreichweite von 750 Seemeilen durchzuführen.

14. November 1956: Das Ordnance Corps leitete die Anfrage für eine Studie über ballistische Mittelstreckenraketen (MRBM) an die Army Ballistic Missile Agency (ABMA) weiter und schuf damit die Grundvoraussetzung für das System, das die Bezeichnung Pershing-I-Rakete erhielt.

20. November 1956: Lauris Norstad wird zum Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) der NATO ernannt.

31. Oktober 1956: Der United States Army Ordnance Corps fordert eine Machbarkeitsstudie für eine ballistische Rakete mit 750 Seemeilen Reichweite.

26. November 1956: Verteidigungsminister Charles E. Wilson veröffentlicht das Wilson-Memorandum, das der US-Armee die Zuständigkeit für Raketen mit über 200 Meilen Reichweite entzieht.

13. Dezember 1956: Politische Direktive als Grundlage für spätere Planungen (MC 70).

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1957

21. bis 27. März 1957: NATO-Übung »Lion Noir« wiederholt das Szenario von »Carte Blanche«.

12. April 1957: Veröffentlichung des Göttinger Manifests, in dem 18 Atomwissenschaftler vor den Gefahren von Atomwaffen warnen.

23. Mai 1957: Die NATO verabschiedet die Dokumente MC 14/2 und MC 48/2, welche die Strategie der »Massiven Vergeltung« festlegen.

Juni 1957: Der erste Verband mit Redstone-Raketen wird aufgestellt (40th Field Artillery Missile Group).

4. Oktober 1957: Der Start des sowjetischen Satelliten Sputnik löst den Sputnik-Schock aus und beschleunigt die US-Raketenprogramme.

6. Dezember 1957: Fehlstart der Vanguard TV-3. Die Navy-Rakete explodiert zwei Sekunden nach dem Start in Cape Canaveral.

12. Dezember 1957: Erster NATO-Gipfel auf Ebene der Regierungschefs in Paris, Reaktion auf Sputnik und Diskussion über Mittelstreckenraketen.

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1958

Januar 1958: Das Wilson-Memorandum wird zurückgezogen. Die Vereinigten Stabschefs empfehlen die Entwicklung einer Feststoffrakete als Redstone-Nachfolger.

9. Januar 1958: Erste Thor-Einheit in Großbritannien ist einsatzbereit.

1. Februar 1958: Start von Amerikas erstem Satelliten, Explorer 1, mit einer auf Redstone basierenden Jupiter-C-Rakete.

16. Januar 1958: Das Department of Defense (DOD) gibt offiziell den Namen Pershing für die neue Rakete bekannt, zu Ehren von General John J. Pershing.

19. Februar 1958: Der Heeresminister überträgt die Verantwortung für das Pershing-Programm dem Army Ballistic Missiles Committee. Die ABMA beginnt mit der Ausschreibung an sieben Rüstungsfirmen.

18. Februar 1958: NATO verabschiedet das Dokument MC 70 (Minimum Force Requirements 1958--1963).

10. März 1958: Bundesweiter Aufruf »Kampf dem Atomtod« wird veröffentlicht.

25. März 1958: Der Bundestag beschließt die atomare Bewaffnung der Bundeswehr.

17. April 1958: Größte Demonstration der »Kampf dem Atomtod«-Bewegung in Hamburg mit 150 000 Teilnehmern.

18. Mai 1958: Bundeskanzler Konrad Adenauer erwähnt in einer Rede die geplante Beschaffung von 6 Abschussgestellen und 24 Matador-Flugkörpern für die Bundeswehr.

4. Juni 1958: Die Atomic Energy Commission (AEC) beschließt die Entwicklung des Atomsprengkopfes W50 für die Pershing-Rakete.

7. August 1958: In einer Haushaltsübersicht wird die konkrete Beschaffung von 24 Matador-Flugkörpern und 6 Abschussgestellen festgehalten.

19. September 1958: Das Ordnance Technical Committee genehmigte offiziell die militärischen Merkmale des Pershing-Raketensystems.

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1959 - 1960

1. Februar 1959: Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß befiehlt die Aufstellung der Flugkörpergruppe 11 auf dem Flugplatz Kaufbeuren.

Mai 1959: Stationierung der sowjetischen R-5-Rakete in der DDR.

25. Mai 1959: de Gaulle verbietet Stationierung und Lagerung US-Atomwaffen in Frankreich.

31. Januar 1960: Generalmajor John B. Medaris scheidet aus der Armee aus.

13. Februar 1960: Frankreich zündet seine erste Atombombe in Reggane (Sahara).

25. Februar 1960: Erster Teststart einer verkürzten Pershing-I-Version in Cape Canaveral.

Juni 1960: Luftwaffeninspekteur Kammhuber reist in die USA. Das Projekt Matador/Mace für die Bundeswehr wird vorzeitig beendet, offiziell mit der Begründung, die Systeme seien veraltet.

1. Juli 1960: Ausgliederung aller zivilen Weltraumaktivitäten des AOMC und Integration in die NASA, wodurch das George C. Marshall Space Flight Center (MSFC) entstand.

28. September 1960: Erster Test mit beiden Raketenstufen.

November 1960: Die Artillerie- und Raketenschule der US-Armee in Fort Sill, Oklahoma, soll ein Ausbildungsprogramme der Armee für das Pershing-I-System entwickeln.

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1961

28. März 1961: US-Präsident Kennedy nennt in einer Kongressbotschaft Hauptziele der neuen Militärstrategie.

20. April 1961: Das National Security Action Memorandum (NSAM) 40 legt die Politik der USA gegenüber der NATO fest.

Mai 1961: Die endgültige Entscheidung fällt: Die Bundeswehr beschafft statt der Matador die Pershing I-Rakete.

17. Mai 1961: Kennedy hält Rede vor dem kanadischen Parlament in Ottawa zur Flexible Response.

10. Juni 1961: Jupiter-Raketen in Italien (Basis Gioia del Colle) sind einsatzbereit; Stationierung von Jupiter-Raketen in der Türkei (Basis Çigli bei Izmir) beginnt.

25. Juli 1961: In einer Rundfunk- und Fernsehansprache erläutert Kennedy die Details seines umfangreichen Militär- und Rüstungsprogramms.

Oktober 1961: Aus der Fusion der Martin Company mit der American Marietta Company entsteht die Martin Marietta Corporation.

Dezember 1961: Der Militärausschuss verabschiedet das Dokument MC 26/4 als allgemeine Zieldefinition und übermittelt es an die Mitgliedsländer und NATO-Behörden.

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1962

Januar 1962: Erfolgreicher Test einer Pershing I über die volle Reichweite von 400 Meilen (640 km).

1962: Umfangreiche Feldtests in White Sands, Blanding und Fort Wingate (insgesamt 205 Testabschüsse, davon 14 Fehlschläge).

1962: Umwandlung des AOMC in das U.S. Army Missile Command (MICOM).

Januar 1962: Der Nordatlantikrat nimmt die Anforderungen aus MC 26/4 zur Kenntnis.

15. März 1962: Erster Start einer Pershing I von einer mobilen Rampe.

April 1962: Jupiter-Raketen in der Türkei erreichen volle Einsatzbereitschaft.

Mai 1962: NATO-Ratstagung in Athen.

Juni 1962: Die erste Batterie des 2nd Bn 44th FA wurde als erste taktische Pershing-Raketeneinheit der US-Army aktiviert.

16. Juni 1962: US-Verteidigungsminister McNamara stellt in seiner Rede in Ann Arbor die Flexible Response-Strategie vor.

Herbst 1962: Die US-Regierung entwickelt den Plan für eine gemeinsame Nuklearstreitmacht (MLF) der NATO, um das Dilemma der nuklearen Kontrolle zu lösen.

17. Oktober 1962: SACEUR Lauris Norstad gibt den NATO-Botschaftern ein Briefing zur Zielplanung und zur Notwendigkeit landgestützter Mittelstreckenraketen (MRBM).

31. Oktober 1962: Martin Marietta lieferte die ersten Komponenten für das Waffensystem Pershing I.

Dezember 1962: Auf dem britisch-amerikanischen Gipfel in Nassau wird der MLF-Plan erstmals öffentlich diskutiert.

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1963

Februar 1963: Abzug der Thor-Raketen aus Großbritannien im Zuge der Abrüstungsvereinbarungen nach der Kubakrise.

März 1963: Das US-Bataillon 4th Bn 41st FA wird der 7th US Army in Deutschland unterstellt und in der Hardt-Kaserne in Schwäbisch Gmünd stationiert.

April 1963: Die 56th Artillery Group wird als übergeordnetes US-Kommando für alle Pershing-Verbände in Deutschland in der Hardt-Kaserne in Schwäbisch Gmünd aktiviert.

September 1963: Deutschland nimmt offiziell ein MAP-Angebot (Military Assistance Program) für ein gemeinsamen Wartungs- und Unterstützungsprogramm für Pershing-Rakete an.

September 1963: Einführung der Vorwärtsverteidigung in das NATO-Verteidigungskonzept.

1. September 1963: Das Bundesministerium der Verteidigung befiehlt mit Luftwaffenaufstellungsbefehl Nr. 253 die Aufstellung des Flugkörpergeschwaders 1

Herbst 1963: Das US-Bataillon 1st Bn 81st FA verlegt nach Deutschland und wird in den McCully Barracks in Mainz-Wackernheim stationiert.

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1964

Januar 1964: Der US-Verteidigungsminister ordnete für das Pershing-Waffensystem eine QRA-(Quick Reaction Alert)-Rolle an, nachdem eine Studie gezeigt hatte, dass die Pershing taktischen Flugzeugen in der QRA-Mission überlegen ist.

1. Januar 1964: Die Flugkörpergruppe 11 wird dem Flugkörpergeschwader 1 unterstellt.

März 1964: Das FKG 1 beginnt seine Truppenausbildung in Fort Sill.

21. April 1964: Erster Abschuss einer Pershing I-Rakete durch eine Einheit der Bundeswehr in den USA (Hueco Launch Site in Texas).

Mai 1965: Das US-Bataillon 3rd Bn 84th FA trifft in der Artillerie-Kaserne in Neckarsulm ein.

1. August 1964: Eintreffen der ersten Waffensysteme Pershing in Landsberg am Lech.

19. November 1964: Fehlschuss des 3rd Bn 84th FA – Rakete fliegt 400 Meilen statt 100 und landet bei Creede, Colorado.

4. Dezember 1964: Der US-Verteidigungsminister forderte die Armee auf, die erforderlichen Änderungen zu definieren, um den Pershing für die QRA-Rolle zu optimieren.

23. Dezember 1964: Das Flugkörpergeschwader 2 wird gemäß Luftwaffenaufstellungsbefehl Nr. 267 zum 1. Januar 1965 in Lechfeld aufgestellt.

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1965

März–April 1965: Joint Environmental Test (JET) der US-Army in Europa zur Simulation von QRA-Bedingungen.

22. April 1965: Ein streng geheimes Memorandum für das Military Committee (MC) der NATO beschreibt die Notwendigkeit von ballistischen Raketen und V/STOL-Flugzeugen für das Ende der 1960er Jahre.

24. Mai 1965: Der US-Verteidigungsminister genehmigte das Pershing la-Entwicklungsprogramm.

1. August 1965: Beginn einer ersten Einsatzübung des FKG 1 mit allen unterstellten Truppenteilen.

15. September 1965: Das Flugkörpergeschwader 2 der Bundeswehr verlegt nach Nörvenich (als Zwischenlösung).

1. Oktober 1965: Abschluss der Auflösung der Flugkörpergruppe 11 und Aufstellung der Flugkörpergruppe 13 in Kaufbeuren.

26. November 1965: Das Pershing-Testprogramm von APL (Advanced Physics Lab) der Johns Hopkins University wird von der US-Army angenommen.

1. Dezember 1965: Die Pershing wird offiziell Teil der QRA-Streitmacht der NATO, zunächst mit zwei Abschussrampen pro Bataillon in Friedenszeiten.

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1966 - 1967

Januar 1966: Martin Marietta erhält Auftrag zur Entwicklung des Pershing Ia-Systems.

15. Januar 1966: Das zweite US-Pershing-Bataillon nimmt den QRA-Dienst auf.

10. März 1966: Frankreich kündigt Austritt aus der militärischen NATO-Organisation zum 1. Juli 1967 an.

April 1966: QRA wird zur Hauptmission der Pershing-Systeme in Europa erklärt.

15. April 1966: Das dritte US-Pershing-Bataillon nimmt den QRA-Dienst auf.

16. Juni 1966: McNamara erläutert vor dem US-Kongress detailliert den Plan, die QRA-Mission von Flugzeugen auf die Pershing zu verlagern, um die Luftunterstützung für konventionelle Konflikte zu erhöhen.

1. August 1966: Der Stab des Flugkörpergeschwaders 2 der Bundeswehr bezieht die Diedenhofen-Kaserne in Wuppertal.

Dezember 1966: NATO-Rat beschließt Nuclear Defence Affairs Committee (NDAC) und Nuclear Planning Group (NPG).

28. März 1967: Die B-Batterie des 3rd Bn 84th FA aus Neckarsulm schießt von Blanding, Utah, auf die White Sands Missile Range (WSMR) zwei Raketen gleichzeitig und eine dritte Rakete 30 Minuten später ab.

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1968 - 1969

16. Januar 1968: Verabschiedung des Dokuments MC 14/3 mit den Details der Flexible Response-Strategie.

1969: Die USA ziehen ihre letzten Mace-Flugkörper aus Deutschland ab.

Januar 1969: Bundesregierung bestellt für 126 Millionen US-Dollar Material zur Umrüstung auf Pershing Ia.

13. Februar 1969: US-Vertreter informiert NATO-Militärkomitee über Umrüstungsplan (Operation SWAP).

März 1969: Der Deutsche Bundestag genehmigt die Beschaffung des Waffensystems Pershing Ia.

Mai 1969: Das CONUS-Bataillon 2nd Bn 44th FA erhält als erste Einheit das Waffensystem Pershing Ia.

21. Juli 1969: Neil Armstrong und Buzz Aldrin betreten im Rahmen der Mission Apollo 11 als erste Menschen den Mond.

September 1969: Das 4th Bn 41th Fa wird im Rahmen des SWAP-Programms als erster Verband in Europa mit dem Waffensystem Pershing Ia ausgerüstet.

August - Dezember 1968: Das Flugkörpergeschwader 2 der Bundeswehr verlegt endgültig nach Geilenkirchen.

18. September 1969: 2nd Bn 4th Inf wird der 56th Field Artillery Brigade als Sicherungsverband unterstellt.

Oktober 1969: Die US-Armee beginnt, die ehemalige Nike-Stellung in Böttingen als Bereitschaftsstellung (QRA) für Pershing-Raketen zu nutzen.

22. Oktober 1969: Helmut Schmidt wird Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland.

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1970 - 1971

22. Februar 1970: Ein schwerwiegender Unfall in Böttingen: Das Sprengkopfsegment einer Rakete fällt bei Wartungsarbeiten zu Boden. Der Vorfall wird zunächst als Broken Arrow eingestuft, später auf Bent Spear herabgestuft.

Juni 1970: Geplantes Ende der Umrüstung der US-Einheiten auf Pershing Ia.

Juli 1970: Die ersten Pershing Ia befinden sich im QRA-Status.

4. August 1970: Befehl zur Umrüstung des FKG 1 zum 1. Januar 1971 auf das Waffensystem Pershing Ia.

September 1970: Die 56th Field Artillery Group wird in 56th Field Artillery Brigade umbenannt.

November 1970: Beginn der Umrüstung der deutschen Flugkörpergeschwader.

1. Januar 1971: Das Flugkörpergeschwader 1 (FKG 1) wird nach der neuen Struktur (Einsatzgruppe und Unterstützungsgruppe) gegliedert.

1. Juli 1971: Restkommando der Flugkörpergruppe 13 verlässt den Standort Kaufbeuren.

1. August 1971: Flugkörpergeschwader 1 (FKG 1) schließt Umrüstung auf Pershing Ia ab.

2. August 1971: Das Flugkörpergeschwader 2 (FKG 2) wird nach der neuen Struktur gegliedert.

18. August 1971: Ein CH47 Chinook stürzt in der Nähe von Pegnitz ab. Alle an Bord kommen ums Leben – vier Besatzungsmitglieder der 4. Avn Co, 15. Avn Grp und 33 Soldaten des Heavy Mortar Platoon, HHC 2/4 Inf.

19. August 1971: Zwischenfall im Triebwerklager Dornstetten: Während einer Inspektion rutschte der FK aus dem Azimuth-Ring und bricht entzwei.

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1972 - 1975

Januar 1972: US-Army richtet Task Force für Nachfolgemodell der Pershing Ia ein.

1. Februar 1972: Flugkörpergeschwader 2 (FKG 2) schließt Umrüstung auf Pershing Ia ab.

21. Februar 1973: Erster Start einer Pershing Ia in Cape Canaveral.

Mai 1973: Eine im Januar 73 eingerichtete Task Force hat die Ausarbeitung des Entwicklungsplans für das Pershing-II-Raketensystem abgeschlossen.

30. Juni 1973: Letzter Wehrpflichtiger in USA einberufen – Beginn der Freiwilligenarmee.

30. Oktober 1973: Beginn der MBFR-Verhandlungen (Mutual and Balanced Force Reductions) in Wien.

1974: Start des »Long Range Security Program« (LRSP) zum Ausbau der Sicherheit von Atomwaffenstandorten.

7. März 1973: Das US-Verteidigungsministerium erteilt der Armee die Genehmigung, mit der Weiterentwicklung der Pershing II fortzufahren.

21. September 1974 – 9. Januar 1976: Flugtests vom Testgelände Kapustin Jar – 24 von 25 Tests erfolgreich.

1975: Schließung der Produktionslinie für die Pershing Ia.

13. Mai 1975: Abschuss der 300. Flugkörpers in Utah/USA durch die 3./FKG 1.

Dezember 1975: USA legen bei MBFR-Verhandlungen neuen Verhandlungsvorschlag vor (unter anderem Abzug eines US-Pershing-Bataillons.

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1976 - 1977

1976: Einführung von Sequential Launch Adapter (SLA) und Automatic Reference System (ARS).

11. März 1976: SS-20 wird offiziell in Dienst gestellt.

15. März 1976: Übernahme der neuen Bereitschaftsstellung Ochsenhof in der Nähe von Kempten/Allgäu durch das FKG 1. Das FKG 2 bezieht die permanente QRA-Stellung in Arsbeck.

30. August 1976: Erstes SS-20-Regiment nimmt Dienst auf.

1977: Wernher von Braun stirbt in Virginia.

18. September 1977: Im Rahmen einer mehrtägigen Übung überqueren amerikanische Pershing-Einheiten den Rhein. Sie werden dabei vom 2. Schwimmbrücken Bn 880 der Bundeswehr unterstützt.

12. Oktober 1977: Die Nukleare Planungsgruppe (NPG) der NATO richtet eine High Level Group (HLG) mit Vertretern aus zwölf NATO-Staaten ein, die die Grundlagen für den Doppelbeschluss schaffen soll.

28. Oktober 1977: Rede von Helmut Schmidt zum Gedenken an Alastair Buchan, dem ersten Direktor des Instituts für Strategische Studien in London. Einen Teil seiner Rede widmet Schmidt auch dem Themenkomplex Rüstung/Abrüstung. Seine Argumentationslinie: Durch Festschreiben der nuklearstrategischen Parität zwischen den USA und der Sowjetunion im Rahmen von SALT II wächst in Europa die Bedeutung der Disparitäten auf nuklearem und konventionellem Gebiet.

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1978 - 1979

22. Juni 1978: US-Präsident Jimmy Carter bestätigt im Presidential Review Memorandum 38 (PRM) die Notwendigkeit von Nuklearwaffen in Europa.

Dezember 1978: US-Regierung gibt endgültiges Go für Pershing II-Projekt.

1979: Gründung des Office of Special Investigations (OSI) zur Fahndung nach NS-Kriegsverbrechern in den USA.

5.–6. Januar 1979: Gipfeltreffen der Regierungschefs von USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland auf Guadeloupe – Nachrüstung steht im Mittelpunkt.

18. Juni 1979: US-Präsident Carter und Sowjetführer Breschnew unterzeichnen SALT II-Vertrag.

23. Juli 1979: Ein Pershing-Sattelschlepper der Bundeswehr kippt in Wildenrath um; die Rakete landet im Vorgarten eines Hauses. Es gibt Verletzte, aber keine Explosion.

September 1979: High Level Group empfiehlt Stationierung von 108 Pershing II-Startvorrichtungen in Westdeutschland und 464 Marschflugkörpern (GLCM) in fünf NATO-Ländern.

12. Dezember 1979: Die NATO-Staaten beschließen in Brüssel die Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenwaffen in Europa, bei einem gleichzeitigen Angebot für Abrüstungsgespräche.

25. Dezember 1979: Die Sowjetunion interveniert in Afghanistan.

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1980

Februar 1980: Das geplante deutsch-deutsche Gipfeltreffen zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker wird verschoben.

19. Februar 1980: Präsident Jimmy Carter verleiht dem Pershing-II-Programm die Prioritätsstufe BRICK-BAT (DX), die höchste nationale Priorität, die einem System zuerkannt wird.

8. Mai 1980: Titos Staatsbegräbnis in Belgrad; Helmut Schmidt trifft dort Erich Honecker und Edward Gierek zu Gesprächen über Abrüstung.

22.-23. Juni 1980: Helmut Schmidt stimmt sich auf dem G7-Gipfel in Venedig mit US-Präsident Jimmy Carter über Abrüstungsfragen ab.

Juli 1980: Helmut Schmidt besucht – in Abstimmung mit den USA – Moskau und kann die Sowjetunion von ihrer Verweigerungshaltung bezüglich Abrüstungsgespräche abbringen.

26. Juli 1980: Presidential Directive 59 (PD 59) von US-Präsident Jimmy Carter.

17. Oktober 1980: Erste Gespräche zwischen US- und sowjetischen Delegationen über Mittelstreckenwaffen beginnen in Genf.

4. November 1980: Ronald Reagan gewinnt die US-Präsidentschaftswahlen gegen Jimmy Carter.

16. November 1980: Der Krefelder Appell wird der Öffentlichkeit vorgestellt.

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1981

18. November 1981: US-Präsident Ronald Reagan präzisiert die amerikanische Verhandlungsposition mit dem Vorschlag der Doppelten-Null-Lösung.

30. November 1981: Die INF-Verhandlungen (Intermediate-Range Nuclear Forces) zwischen den USA (Paul Nitze) und der UdSSR (Julij A. Kvicinskij) beginnen offiziell in Genf.

24. Februar 1981: Ein Pershing Ia-Raketentransporter gerät bei Sechselberg in Brand und explodiert während einer Bergfahrt. Der Ort wird teilweise evakuiert. Es gibt keine Verletzten, aber erheblichen Sachschaden.

17.-21. Juni 1981: Auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg demonstrieren 80 000 Menschen für den Frieden.

31. August 1981: RAF-Bombenanschlag auf Air Base Ramstein.

15. September 1981: Attentatsversuch auf US-General Frederick J. Kroesen in Heidelberg.

10. Oktober 1981: Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten mit 350 000 Teilnehmern.

November 1981: Das Pershing-II-Programm tritt in die Produktionsphase ein.

18. November 1981: Vorschlag von US-Präsident Ronald Reagan an die Sowjetunion für eine beidseitige Null-Lösung für landgestützte Mittelstreckenraketen.

22. November 1981: Friedensdemonstration in Amsterdam mit 400 000 Teilnehmern.

29. November 1981: Beginn der Abrüstungsverhandlungen über die Mittelstreckenwaffen in Genf.

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1982

1982: OSI ermittelt gegen Arthur Rudolph wegen seiner Rolle in Mittelbau-Dora.

9. Juni 1982: US-Präsident Ronald Reagan besucht die Bundesrepublik und nimmt an der NATO-Gipfelkonferenz in Bonn teil.

10. Juni 1982: Größte Demonstration in der Geschichte der Bundesrepublik mit circa 500 000 Teilnehmern in Bonn gegen den NATO-Gipfel.

12. Juni 1982: No Nukes Rally in New York City mit einer Million Teilnehmern.

16. Juli 1982: Die Verhandlungsleiter Paul Nitze und Julij A. Kvicinskij diskutieren beim sogenannten "Waldspaziergang" einen informellen Kompromissvorschlag.

22. Juli 1982: Der erste Start einer Pershing II in Cape Canaveral endet mit einem Fehlschlag.

August 1982: Achtägige Blockade der Zufahrtsstraße zum Atomwaffenlager in Großengstingen.

28. August 1982: Brigadegeneral William E. Sweet, der damalige Kommandeur der 56. Feldartilleriebrigade, richtet innerhalb der Operationsabteilung der Brigade eine Pershing-II-Einsatzabteilung ein.

1. Oktober 1982: Helmut Kohl stürzt Bundeskanzler Helmut Schmidt durch ein erfolgreiches Misstrauensvotum und tritt dessen Nachfolge an.

13. Oktober 1982: In seiner Regierungserklärung legt Kohl ein Bekenntnis zum NATO-Doppelbeschluss ab.

2. November 1982: Ein Pershing-Konvoi verunglückt bei Waldprechtsweier im Nordschwarzwald. Ein Lkw rast in die Ortschaft, tötet einen Autofahrer und zerstört mehrere Fahrzeuge und ein Haus. Der gesamte Ort (1400 Menschen) wird evakuiert. Die Raketen explodieren nicht.

12. Dezember 1982: Angebot des neuen Generalsekretärs der KPdSU Juri Wladimirowitsch Andropow, die damals 250 SS-20-Raketen einseitig auf 162 zu reduzieren und diese hinter den Ural zu verlegen.

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1983

20. Januar 1983: In einer Rede vor dem Bundestag in Bonn plädiert der französische Staatspräsident François Mitterrand für die von der NATO geplante Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen.

1. Juli 1983: US-Army zieht aus QRA-Stellung Inneringen ab.

1. September 1983: Zweitägige Prominentenblockade in Mutlangen mit zahlreichen bekannten Persönlichkeiten.

1. September 1983: Ein sowjetischer Abfangjäger schießt eine koreanische Passagiermaschine ab.

22. Oktober 1983: Großdemonstrationen in mehreren Städten, u.a. wieder im Bonner Hofgarten (200 000 bis 500 000 Teilnehmer).

22. Oktober 1983: Eine 108 km lange Menschenkette wird von Neu-Ulm nach Stuttgart gebildet (circa 300 000 Teilnehmer).

16. November 1983: Friedensdemonstranten besetzen geräumtes Gelände in Inneringen.

22. November 1983: Der deutsche Bundestag stimmt mit 286 zu 225 Stimmen bei einer Enthaltung der Aufstellung der neuen Mittelstreckenwaffen in der Bundesrepublik zu.

22. November 1983: Um 22:22 Uhr landet ein C-5A Galaxy-Transportflugzeug mit ersten Pershing II-Komponenten auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein.

23. November 1983: Die Sowjetunion bricht die Genfer INF-Verhandlungen ab.

23. November 1983: Der sowjetische Verteidigungsminister Dmitri Ustinow kündigt in der Zeitung »Krasnaja Swesda« (Roter Stern) an, dass die UdSSR als Antwort auf die NATO-Nachrüstung Gegenmaßnahmen auf dem Territorium der DDR und der CSSR ergreifen werde.

25. November 1983: Nachts treffen auf 8 Sattelschleppern die ersten Pershing II-Raketenteile im Depot Mutlangen ein.

29. November 1983: Ein Konvoi aus 12 Sattelschleppern bringt weitere Pershing II-Raketenteile nach Mutlangen (3.30 Uhr).

16. Dezember 1983: Die Grünen beantragten beim Bundesverfassungsgericht im Rahmen einer Verfassungsbeschwerde eine einstweilige Verfügung gegen die Raketenaufstellung.

15. Dezember 1983: In Mutlangen wird die erste Pershing-II-Batterie (A-Battery des 1th BN 41th FA) unter dem Kommando von Major Nolan Watson für einsatzbereit erklärt.

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1984

5. Januar 1984: In den ersten sieben Wochen seit der Stationierung von Pershing-Raketen sind in Mutlangen über 500 Demonstranten festgenommen worden.

16. Januar 1984: Der angeblich entführte Soldat einer Pershing-Einheit aus Schwäbisch Gmünd (Liam Fowler) taucht unversehrt in Miesbach wieder auf.

20. Januar 1984: Die DDR gibt die Aufstellung von sowjetischen Atomraketen vom Typ SS-22 und SS-23 bekannt. Weitere Raketen dieses Typs werden in der CSSR disloziert.

7. Februar 1984: Ein Konvoi mit vier Raketen rückt von Mutlangen zu einem ersten Manöver der neuen Pershing II in ein Waldgelände bei Straß bei Ulm aus.

10. Februar 1984: Die ersten 12 von 112 Cruise-Missiles treffen in Comiso (Sizilien) ein.

22. März 1984: Im Gemeinderat der Großgemeinde Bell findet im Rahmen eines sogenannte Anhörungsverfahrens nach § 37 Bundesbaugesetz eine Diskussion über eine NATO-Baumaßnahme (CM-Basis Wüschheim) statt. Die betroffenen Gemeinden widersprechen den geplanten NATO- Baumaßnahmen.

10. April 1984: In Mutlangen ist nach Angaben der US-Armee die zweite Pershing II-Batterie einsatzbereit.

Mai 1984: Die Sowjetunion verlegt weitere Raketen in die DDR und CSSR.

Mai 1984: DER SPIEGEL berichtet über Pläne zur Beschaffung von 65 Pershing 1B für die Luftwaffe.

4. Juni 1984: Parlamentarischer Staatssekretär Würzbach antwortet im Bundestag, dass noch keine Entscheidung über ein Nachfolgesystem getroffen wurde.

30. Juni 1984: Die Stationierung des ersten Pershing-II-Bataillons in Mutlangen ist abgeschlossen.

1. August 1984: Die CONUS-Stationierung der Pershing II-Raketen beginnt.

15. August 1984: Die Kosten für den Polizeieinsatz im Zusammenhang mit der Bewachung des Mutlanger Depots und bei der Begleitung von Raketen-Transporten betragen nach einer dpa-Meldung seit September 1983 20 Millionen Mark. Insgesamt wurden 700 000 Stunden Dienst gemacht. 5000 Polizisten sind eingesetzt. Seit Ende November 1983 wurden 1052 Demonstranten verhaftet und 171 verurteilt.

24. September 1984: Präsident Reagan schlägt vor den UN in New York der Sowjetunion »Umbrella Talks« vor, bei denen über die Reduzierung der strategischen Atomwaffen, über Mittestreckenwaffen, über Weltraumwaffen und über Raketenabwehr verhandelt werden soll.

24. September 1984: Ein Pershing II-Raketentransporter kippte auf einer Übungsfahrt zwischen Lorch und Welzheim (im Walkersbacher Tal) um und stürzt eine Böschung hinunter.

9. Oktober 1984: Laut Washington Post sind 45 der geplanten 108 Pershing II-Raketen in der Bundesrepublik aufgestellt.

13. Dezember 1984: Die Bundesregierung bestätigt Wüschheim im Hunsrück als Stationierungsort für 96 Cruise-Missiles.

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1985 - 1986

11. Januar 1985: Der Raketenmotor einer Pershing II explodiert in der Waldheide bei Heilbronn und tötet drei Soldaten. 16 Soldaten werden schwer verletzt.

März 1985: Belgien beginnt mit der Stationierung von Cruise-Missiles in Florennes.

4. März 1985: Das für die Zeit vom 4. bis 13. März geplante Manöver der Pershing-Einheiten wird wegen des Unfalls in Heilbronn verschoben. An ihm sollten 3.200 Soldaten und 950 Fahrzeuge teilnehmen.

29. März 1985: Das Bonner Verteidigungsministerium bestätigt, dass die ersten Cruise-Missiles im Hunsrück einsatzbereit sind.

17. Januar 1986: Die 56th Artillery Brigade wird in 56th Artillery Command umbenannt. In Neu-Ulm wird das 1st Bn 81st FA in 1st Bn 9th FA umbenannt. Aus dem 1st Bn 41st FA in Schwäbisch-Gmünd wird das 2nd Bn 9th FA und aus dem 3rd Bn 84th FA in Heilbronn/Neckarsulm das 4th Bn 9th FA.

28. Februar 1986: Das niederländische Parlament stimmt der Stationierung von 48 Cruise-Missiles zu (Beginn erst 1988 geplant).

30. Juli 1986: Bei Wartungsarbeiten auf der Bundeswehr-Bereitschaftsstellung Ochsenhof (Flugkörpergeschwader 1) reißt der Gefechtskopf einer Pershing Ia ab und rutscht herab. Die US-Spezialeinheit 512th USAAG aus Günzburg untersucht den Vorfall.

16. November 1986: Die NATO hebt die Sofortbereitschaft (QRA) für die deutschen Flugkörpergeschwader auf.

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1987 - 1989

27. April 1987: Die UdSSR thematisiert die 72 Pershing Ia der Bundeswehr in den INF-Verhandlungen.

1. Mai 1987: Das Manöver »Carbon Blazer« des 56. Field Artillery Commands erstreckt sich über den Zeitraum vom 1. bis zum 16. Mai 1987. Rund 4000 Soldaten mit 1500 Fahrzeugen und 12 Hubschraubern nehmen daran teil.

20. Mai 1987: Geheimes Memo von Legationsrat Adamek: Nur noch 65 Pershing Ia der Bundeswehr einsatzbereit.

1. Juli 1987: Neue Wachanweisung für die Einsatzstellung Ochsenhof tritt in Kraft.

26. August 1987: Bundeskanzler Helmut Kohl erklärt den Verzicht auf Modernisierung und den Abbau der Pershing Ia.

1. November 1987: 405 SS-20-Raketen stationiert, 245 in Depots.

27. Mai 1988: Der US-Senat ratifizierte den INF-Vertrag.

Oktober 1988: Letzte Testschüsse der Bundeswehr mit Pershing Ia in den USA (Fort Bliss).

2. Februar 1989: MBFR-Verhandlungen werden nach 16 Jahren ohne Ergebnis abgebrochen.

27. Juli 1989: Im Rahmen des INF-Vertrages hat die Sowjetunion die letzten beiden ihrer ehemals 718 SS-12-Raketen zerstört.

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1990

1. April 1990: Beginn der Auflösung der beiden Pershing-Geschwader der Bundeswehr.

Juni 1990: Letzte LRSP-Maßnahmen werden durchgeführt.

5. Juni 1990: Letztes Manöver des FKG 1 im Raum Landsberg.

22. Juni 1990: Übergabe der Einsatzstellung Ochsenhof an die Standortverwaltung Kempten.

15. Juli 1990: Auflösung des 74th US-Detachment (Bewachung der Atomsprengköpfe beim FKG 1).

22. August 1990: Das Cruise-Missiles-Geschwader der amerikanischen Streitkräfte wird in Wüschheim im Hunsrück offiziell außer Dienst gestellt.

5. Oktober 1990: Offizielle Außerdienststellung der beiden Flugkörpergeschwader der Bundeswehr.

19. November 1990: KSE-Vertrag in Paris von 22 Staaten unterzeichnet.

31. Dezember 1990: Endgültige Auflösung der Pershing-Verbände der Bundeswehr.

1991

15. Januar 1991: Letzte Atomsprengköpfe werden in die USA zurückgebracht.

Mai 1991: Vernichtung der letzten deutschen Pershing Ia in den USA.

13. Mai 1991: Die letzten von rund 2.700 nuklearen Mittelstreckenwaffen der UdSSR und der USA werden knapp drei Jahre nach Inkrafttreten des INF-Vertrags zwischen den Supermächten zerstört.

30. Juni 1991: Auflösung des 56th Artillery Command der US-Armee in Schwäbisch Gmünd.

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Ab 2014

Ab 2014: Die USA werfen Russland vor, mit dem Marschflugkörper 9M729 (SSC-8) den INF-Vertrag zu verletzen.

2014: Russland annektiert die Krim und unterstützt prorussische Separatisten in der Ostukraine.

2019: Die USA und Russland kündigen den INF-Vertrag formell.

1. Februar 2019: US-Außenminister Mike Pompeo gibt eine sechsmonatige Frist für die endgültige Vertragsaufkündigung bekannt.

2. Februar 2019: Russlands Präsident Wladimir Putin kündigt an, den Vertrag ebenfalls auszusetzen.

August 2019: Die USA kündigen die Entwicklung konventioneller, landgestützter Marschflugkörper an und führen kurz darauf erste Tests durch.

November 2021: Das US-Militär reaktiviert das 56th Artillery Command in Wiesbaden.

24. Februar 2022: Russland marschiert in die Ukraine ein.

Mai 2023: Das US Marine Corps aktiviert die erste Einheit des neuen Typhon-Systems.

Oktober 2023: Die USA schlagen auf einer NATO-Ratssitzung eine rotierende Stationierung neuer Mittelstreckensysteme in Europa vor.

10. Juli 2024: Die USA und Deutschland geben auf dem NATO-Gipfel in Washington eine gemeinsame Erklärung zur Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen ab.

Ab 2026: Geplante Beginn der zeitweisen Stationierung US-amerikanischer Langstreckenwaffensysteme in Deutschland.

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